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2006 - 07 - Langdistanz Quelle Challenge, Roth

veröffentlicht um 14.08.2013, 06:38 von Boris Sadžakov

Veranstalter / Ergebnis / Photos  - Datum: 02.07.2006


Langdistanz (Ironman) in Roth (3,8km Schwimmen - 180km Rad - 42,2km Laufen)


Donnerstags vor dem Wettkampf habe ich Blödmann mir eine Prellung am rechten Oberschenkel zugezogen. Also Donnerstag abend völlig frustriert nach Roth in die Pension gefahren. Freitag morgen habe ich erst einmal meine Startunterlagen geholt und nach dem medizinischen Dienst gefragt. Man teilte mir mit, dass dieser nur am Wettkampftag geleistet wird, und verwies mich an den offiziellen Veranstaltungsarzt, Dr. Bartsch, der in Roth seine Praxis hat. Hin, untersucht, normale Prellung mit intermuskulären Blutungen blablabla…Mir wurde dann ein Druckverband mit Heparinsalbe gemacht, Ibuprophen 400 verschrieben, welches ich auch Freitag und Samstag einnahm. Die vom Arzt angebotene („…ich könnte Ihnen noch Cortison spritzen…“) Spritze habe ich abgelehnt.
Habe dann den Freitag fast den ganzen Tag im Triathlonpark verbracht. Abends, zum public viewing des Deutschlandspiels, habe ich strwd und radelchris getroffen.

Am Samstag ging es mir schon deutlich besser, allerdings war das rechte Bein kaum ohne Schmerzen zu bewegen. Trotzdem habe ich einen Belastungstest gemacht, sowieso wollte ich mich am Vortag des Wettkampfes ein bisschen bewegen.
Bin dann eine Stunde Rad gefahren, mit kleinen 1-Minuten-Intervallen. Das Bein habe ich jederzeit „gespürt“, aber nie mit Schmerzen. Das war schon mal klasse. Da war mir absolut klar: Ich starte! Nach dem Rad fahren wollte ich dann noch locker eine halbe Stunde laufen, musste jedoch nach 5 Minuten abbrechen. Laufen ging nicht ohne Schmerzen. Egal, starten werde ich auf jeden Fall, dachte ich mir. 
Sonntag dann 3:45 Uhr aufgestanden, gefrühstückt, ordentlich auf’s Klo, und Punkt 5:00 Uhr gings zum Start. Ich hatte in der Pension eine Mitfahrgelegenheit organisiert, da ich mein Auto in Roth an der Pension stehen lassen wollte und nach dem Wettkampf nicht mehr nach Hilpoltstein muß.
In der Wechselzone dann das Rad gecheckt, an der Druckluftstation die Reifen exakt füllen lassen, und dann ein bisschen Ruhe einkehren lassen. Um 7:00 Uhr habe ich dann meinen Neo angezogen und bin so langsam zum Schwimmstart, ich war um 07:15 Uhr dran.
Das Schwimmen lief absolut sorglos, es ging sittlich zu, kaum „Schlägereien“ am Start und ich konnte nahezu von Anfang an in meinen Rhythmus finden. 1h14min entspricht meinen Möglichkeiten, mehr ist nicht drin.
Meinen Radsack gegriffen und ab in das Wechselzelt. Da ich vorhatte, mich komplett in Radklamotten zu stecken, wurde die Umkleide eine Katastrophe…Ich hatte natürlich ein Handtuch vergessen, so stand ich dann, nachdem ich Neo und Badehose ausgezogen hatte, nackt in dem Zelt, naß, und versuchte ein trockenes Unterhemd anzuziehen. Ich bin fast wahnsinnig geworden! Irgend wann war ich dann fertig und schnell zum Rad. Sage und schreibe 8 Minuten habe ich WZ1 verbracht. Damit müsste ich den Rekord halten! Der Radsplit lief insgesamt sehr gut. Das Bein machte keinerlei Probleme, ich merkte zwar ein kleines Zwicken, aber das war nach 2-3 Stunden vollständig weg. Es war heiß und, mein absoluter Albtraum, sehr windig. Es gab konstanten Ostwind, und wer sich die Strecke genau anschaut, wird sehen, dass wir deutlich mehr Gegenwind als Rückenwind hatten, mein lieber Jonny!!! Nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich! Die Verpflegung auf der Strecke war super, ich habe zwar nur immer die Flaschen ausgetauscht (Nahrung habe ich auf meine bewährten Sachen vertraut…), aber es wahr halt nix zu beanstanden. Da ich die Strecke ja schon sehr gut kannte, wusste ich jederzeit worauf ich achten musste. In der zweiten Runde habe ich dann wider besseres Wissen versucht, meinen Schnitt zu halten, was aufgrund des stärker werdenden Windes nicht zu realisieren war. Das hat mich sicherlich einige Körner extra gekostet, ich Dummkopf. Das Schärfste war aber in Eckersmühlen, beim Abzweig nach Roth nach der zweiten Runde. Irgend was sah ich so mit einem halben Auge links von mir, dass mir bekannt vorkam. Ich drehte mich um, da war das Oxi auf dem Rad!!!!!  Ich rief ihm sofort zu, und ich glaube er war auch ganz erschrocken, als er mich erkannte. Damit haben wir wohl beide nicht gerechnet, sich so in Roth zu treffen!!!! Er begleitete mich noch ein paar km Richtung Wechselzone, wir fuhren so ca. 40km/h. Die ganzen Qualen auf dem Rad (Hitze, Wind) waren plötzlich wie weggewischt, als Oxi neben mir fuhr…Irgendwie spielt sich doch alles nur im Kopf ab…
Nach 5h47min kam ich dann in WZ2 an. Dann absoluter Schock: mein Beutel mit den Laufsachen war nicht am Platz, wo er hingehörte!!!! Wild gestikulierend schrie ich meine Nummer den vielen Helfern zu. Nach 3 Minuten fand sich dann mein Beutel und ich konnte ins Zelt. Der Wechsel ging dann natürlich deutlich schneller. Hose runter, Laufhose an, Schuhe wechseln und raus…
Kaum war ich aus dem Zelt, rief mir Jonny zu, die Kamera in den Händen. Ich habe mich richtig gefreut!!!! Die ersten Meter bin ich natürlich total ängstlich gelaufen, aber ich hatte definitiv keine Schmerzen, wie am Vortag. Ich war also glücklich. Ich verpflegte mich sehr gewissenhaft und hielt das auch bis zum Schluß durch. So ab km 20 bekam ich massive Probleme. Ich hatte zwar nach wie vor keine Schmerzen (ich hätte sonst definitiv abgebrochen), jedoch machte sich das rechte Bein bemerkbar, ich musste deutlich Tempo rausnehmen. Auf den letzten 10km habe ich bei jeder Station (alle 2km) 200-300 Meter Gehpause gemacht. Ansonsten bin ich bis zum Schluß immer gelaufen, auch wenn es am Schluß nur noch „gelaufenes Nordic-Walking“ war. Das war mir egal. Meine Zielzeit (10:59) war eh’ schon zerronnen, und ich wollte mir nur noch das Finish sichern, komme was da wolle.
Auf der Laufstrecke begegnete man sich aufgrund der Streckenführung mehrmals mit den anderen Teilnehmern. Strwd sah’ ich zweimal, die ganzen TNT-Staffel-Läufer klatschte ich ab, und überall waren TNT-ler an der Strecke. Das Beste waren aber zwei Kollegen aus meinen Triathlonverein, die einfach als Tri-Touristen dabei waren. Einer, der Thomas, hat mich auf der Laufstrecke 4x (!) erwartet und ist jedes Mal mindestens 500m mit mir gelaufen und hat mir gut zugeredet: „ Du siehst gut aus“…“das sieht aber noch flüssig aus“…“halt durch“…“du schaffst es“ usw. War total klasse! Da ich am Schluß mit Puls 120 gelaufen bin aufgrund des langsamen Tempos, konnte ich mich dann auch ganz locker mit Thomas unterhalten…Laufzeit 4h17min, eine glatte Enttäuschung, es ging aber nicht anders.
Tja, der Zieleinlauf (Endzeit 11:31) war natürlich gigantisch, ein Strom von Gefühlen überkommt einen dann…ich hab’s geschafft, mein Training hat sich gelohnt, ich werde gefeiert, es ist vorbei usw…Ich bin klatschend ins Ziel gelaufen, als Dankeschön an die Zuschauer, und bin dann relativ cool in die Zielzone. Ich war zufrieden, glücklich. Erst 2-3 Minuten später habe ich dann Tränen in die Augen bekommen, als mir die Gedanken durch den Kopf schossen…“…8 Monate Training…Entbehrungen…Schmerzen…Qual…Spaß und Freude…Leistung…Ziel…du hast es geschafft!“

Stunden später tippte mich im Bier- und Fleischbereich jemand an der Schulter an…“Du musst der Boris sein, ich bin WolfiS aus dem Forum…“. Auch nicht schlecht! War sehr nett, wir haben uns kurz unterhalten und uns gemeinsam gefreut.

Ich bin glücklich und zufrieden, habe aber einen kleinen Dorn im Fleisch, meine durchaus realistische Zielzeit verfehlt zu haben. Deshalb weiß ich jetzt schon: I’ll do it again!
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