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2007 - 07 - Radmarathon "Highlander", Hohenems

veröffentlicht um 14.08.2013, 06:51 von Boris Sadžakov   [ aktualisiert: 18.08.2013, 04:53 ]

Veranstalter / Ergebnis / Photos  - Datum: 22.07.2007


Den Highlander habe ich hinter mich gebracht! Nicht mein erster Radmarathon, aber mein erster Marathon in den Alpen. Insofern war ich schon gespannt darauf, wie ich da durchkomme.

Vom Urlaubsort bin ich um 03:30 Uhr nach Hohenems gefahren, habe mich im Auto umgezogen, das Rad fertig gemacht, und bin dann knapp vor Start, um 06:00 Uhr, in den Zielbereich gerollt. Es hat die ganze Zeit in Strömen geregnet, so daß ich nicht länger als nötig stehen wollte. Wegen des wirklich üblen Wetters waren auch nur ein paar hundert Leute am Start. Wieviele gemeldet waren, weiß ich nicht, aber die Veranstaltung läßt 1.500 Teilnehmer zu. 


Um 06:00 Uhr ging es dann auch los, und die Meute rollte los Richtung Dornbirn um von dort über's Bödele zu fahren, die erste "Hürde". Sekunden vor dem Start ist mir aufgefallen, daß ich meine vorbereiteten Flaschen vergessen hatte. Da mir am Start keiner eine seiner Flaschen geben wollte, habe ich während der Fahrt alle 10 Minuten nach einem Schluck Wasser gebettelt. Das wurde mir auch immer gewährt. Oben am Bödele standen dann Privatleute mit Dutzenden Flaschen, wohl Verpflegung für "ihre" Teilnehmer. Ich fragte höflich, ob ich eine Flasche haben könne, mit Hinweis auf mein Mißgeschick, und bekam auch eine geschenkt. Puh, war ich da froh. Das hat mir schon Sorgen bereitet.

Berg hoch ist der Regen ja irgendwann egal, und man merkt es eigentlich gar nicht, aber bei der Abfahrt wandelt sich das Blatt doch dramatisch, zumindest für mich. Ich bin ein riesengroßer Schisser bergrunter, und wenn es dabei noch regnet, stehe ich im Prinzip permanent auf der Bremse. An den Päßen habe ich schätzungsweise 20 Mitstreiter überholt, die mich in der Abfahrt alle, ausnahmslos alle, wieder ein- und überholt haben. Sehr frustrierend. Bei Trockenheit wäre das nicht passiert, und ich hätte mich von vielen Fahrern absetzen können.

Naja, der Rest ist eigentlich schnell erzählt. Nach der Abfahrt und einer kleinen Flachpassage, ging es fast 40km moderat aber stetig, und stetig steiler, vor allem am Schluß, über den Hochtannbergpaß, dann über den Arlberg (Flexenpaß). Hieran fügte sich nach der Abfahrt eine längere Flachpassage. Ich hatte in diesem Teil das Glück eine ganz gut funktionierende Gruppe zu haben. Wir haben uns gut abgelöst, und sind mit vernünftigem Tempo zur letzten Herausforderung gefahren. Den Rest des Marathons, am Berg ja sowieso, war ich stets alleine unterwegs.

Das Faschinajoch war hammerhart. Ich habe gegen Ende schwer gelitten. Mir half immer sehr zu sehen, daß es den anderen keinen Deut besser ging. Auf den letzten Kilometern mußte jede einzelne Kurbelumdrehung hart erkämpft werden. Wir hatten dort alle über 160km bereits in den Beinen und das Faschinajoch war definitiv auch ohne diese Vorbelastung die härteste Herausforderung des Highlander. 

Ich habe mir nach den Eindrücken des Ligatreffens vor 2 Monaten neben der Kompaktkurbel (50/34) noch einen 27er Rettungsring montiert. Das war eine sehr gute Entscheidung. Mit dieser "finalen" Übersetzung bin ich überall hochgekommen. Eine noch kleinere Übersetzung würde den Braten auch nicht mehr fett machen. 34/27 ist für mich völlig ausreichend. 3fach kann ich damit klar abhaken. Allerdings, die 27 macht es schon aus. Mit dem 25er hätte ich gravierende Probleme bekommen, wie beim Ligatreffen gesehen. Da bin ich mit dieser Übersetzung am Furkajoch fast gestorben, und habe kaum noch die Kurbel herumgekriegt!

Nach dem Faschinajoch dann eine kurze Abfahrt, und es ging brutal steil weiter Richtung Furkajoch, allerdings von der moderaten Seite aus. Die Anfangssteigung war zum Glück nur kurz, danach ging es moderat weiter bis zum Paß.

Nach der tollen Abfahrt, die dieses Mal auch wirklich Spaß machte, weil mittlerweile nicht nur die Straßen abgetrocknet waren (es hat nach ca. 6 Stunden Regenfahrt dann irgendwann aufgehört zu regnen), sondern sogar die Sonne schien, waren es dann nur noch 15km flach bis ins Ziel in Hohenems.

 Ziemlich stolz und glücklich bin ich dann über die Ziellinie gefahren. 

Ich bin pannen- und sturzfrei durchgekommen. Die Belastung war insgesamt weniger schlimm als erwartet. Aber das Anforderungsprofil ist schon hammerhart. Während eines Triathlon, auch beim Ironman, kann ich mich nicht erinnern, mich über so weite Strecken, so gequält zu haben, wie zum Beispiel am Faschinajoch. 

Jetzt bin ich wieder eine Erfahrung reicher. Es hat trotz des widrigen Wetters Spaß gemacht, und es ist gut zu wissen, daß man die Pässe auch hochkommt. Das ganze Training in der heimischen Region ist das eine, einen "echten" Paß in den Alpen zu fahren, ist dann doch noch einmal eine ganz andere Hausnummer.

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